Was ist Greenwashing?

Greenwashing ist eine zweifelhafte Marketingstrategie. Unternehmen stellen sich nach außen umweltfreundlicher dar, als sie wirklich sind. Substanzielle Verankerungen in ihrer Firmenphilosophie und konkrete, langfristig integrierte sowie nachweisbare Maßnahmen in der Unternehmenspraxis gibt es bei genauem Hinsehen nicht. 

Firmen, die mit Greenwashing arbeiten, geben etwa vor, umweltfreundlich erzeugtes Holz für die Möbelproduktion zu nutzen oder nachhaltig produzierte Mode zu verkaufen. Prominente Beispiele, denen Greenwashing vorgeworfen wurde, sind beispielsweise Nestlé und VW. Bei VW ging es im Kern um Emissionstests von Dieselfahrzeuge, deren Ergebnisse “in den grünen Bereich hinein” manipuliert wurden. Nestlé soll zur Abfüllung ihres Wassers Quellen in von Dürre bedrohten Gebieten genutzt haben, auch ohne Rücksicht auf die Auswirkungen auf die dortige Bevölkerung..

Rundum problematisch und kritisch zu betrachten

Kommt die Unaufrichtigkeit bzw. die vorsätzliche Täuschung heraus, springen viele Kunden ab. Der Imageschaden kann immense Ausmaße annehmen. Neben dem Vertrauensverlust, der Imagebeschädigung und der öffentlichen Schelte ergibt sich noch ein ganz anderes Problem, das eine Ebene weiter oben aufgehängt ist. 

Wenn Firmen Produkte etwa als “nachhaltig produziert” oder Ähnliches verkaufen, sich aber gar nicht an die damit im Zusammenhang stehenden Auflagen halten, nutzen sie einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber Firmen aus, die tatsächlich nachhaltige Prozesse und Methoden anwenden. Das führt zu einer Marktverzerrung und zu einer verzerrten öffentlichen Wahrnehmung. Verbraucher gewinnen den Eindruck, dass nachhaltig produzierte Waren (zu) billig erhältlich sind. Sie kaufen die günstigen Produkte und lassen die echten nachhaltigen Produkte, die realistische Preise kalkulieren, links liegen. Damit werden Greenwashing-Firmen gestärkt und nachhaltig agierende Firmen geschwächt. Das untergräbt langfristig die Bemühungen, echte Nachhaltigkeit zu etablieren.

Transparenz und Authentizität als Schlüssel

Um mit nachhaltigen Produkten das Vertrauen von Verbrauchern zu gewinnen und sie zu loyalen Kunden zu machen, sind Transparenz und Authentizität die Schlüssel zu einem stabilen Geschäftskonzept. “Wirklich grün” zu sein funktioniert nur, wenn du wirklich nachhaltig arbeitest und estransparent für deine Kunden machst. Dies funktioniert zum Beispiel, indem du Labornachweise verwendeter Materialien auf deiner Website bereitstellst, echte Videos und Fotos aus deinen Produktions- oder Erzeugerbetrieben zeigst und deinen Kunden transparent die einzelnen Produktionsschritte und Lieferketten offenlegst.

Aus ökonomischer Sicht sind diese Aspekte sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher und Kooperationspartner von Vorteil und ergeben eine Win-Win-Win-Situation. Deine Kunden sehen, wie aufwändig die Herstellung deines Produkts wirklich ist. Sie lernen den Wert zu schätzen und verstehen im besten Fall, wie sich der Preis zusammensetzt. Manche Firmen gehen mit der Transparenz sogar so weit, dass sie die einzelnen Preisbestandteile kommunizieren und die Kalkulation weitgehend öffentlich machen. 

Beispiel: Die Reiskampagne

In Thailand wird Reis produziert und exportiert, die Reisbauern erhalten aber nur sehr wenig Geld für ihre Knochenarbeit und können kaum die Schule für ihre Kinder bezahlen. Der Druck der großen Reishändler ist groß, sodass viele keine Möglichkeit sehen, ihrer schwierigen Situation zu entkommen. Lukas Noska, der Gründer der Reiskampagne, geht neue Wege. Auf seiner Website stellt er dar, wer den Reis produziert, wie er die Rückstandsfreiheit garantiert und warum er fair produzierten Reis in Spitzenqualität zu günstigen Preisen verkaufen kann, ohne die Reisbauern auszubeuten. Die Kunden erfahren genau, was sie von wem kaufen und tragen mit ihrem Kauf dazu bei, dass es den Erzeugerfamilien in Thailand besser geht. 

Lukas hat sich vom Geschäftskonzept der Teekampagne von Professor Faltin inspirieren lassen. Unter anderem folgt er seinem Beispiel und verschifft Reis nur in großen Containern nach Deutschland. Auf teures Marketing verzichtet er und setzt auf Mundpropaganda - das spart viel Geld.

Was bedeutet es für dein Business, “wirklich grün”  zu sein?

Wenn du mit deinem Business “wirklich grün” sein möchtest, dann geht es um ökologische Nachhaltigkeit in allen Aspekten deines Geschäfts. Du nimmst deine Verpflichtung gegenüber der Erde und ihren Ressourcen für nachfolgende Generationen ernst und zeigst dies nach außen. In der Praxis schlägt sich das vor allem in diesen Aspekten nieder:

1. Ökologisches Bewusstsein: 

Du ergreifst Maßnahmen, um die CO₂-Bilanz durchweg zu minimieren. Von der Produktentwicklung über die Produktion und den Vertrieb ist alles ökologisch bewusst und sinnvoll aufgestellt.

2. Nachhaltige Rohstoffe und Betriebsmittel: 

Dein Wareneinsatz ist nachhaltig. Beziehst du nachhaltige Rohstoffe und Betriebsmittel, dann heißt dies, dass sie umweltfreundlich, erneuerbar, recycelbar oder auch Second Hand sind, Büromöbel zum Beispiel. Bezogen auf deine Geschäftsausstattung fängt das grüne Bewusstsein bereits bei A wie Auto an und hört bei Z wie Zettelbox nicht auf. 

3. Energieeffizienz:

Du beziehst oder produzierst deinen Strom aus erneuerbaren Energiequellen, reduzierst den Energieverbrauch innerhalb deines Unternehmens und tätigst Investitionen in Energieeffizienztechnologien. 

4. Reduzierung von Abfällen: 

Mit Blick auf die Müllberge etablierst du Prozesse in deiner Firma, um Abfälle zu reduzieren. Ihr nutzt nachhaltige Verpackungsoptionen und verzichtet, wo immer möglich, auf Verpackung. Recycling hat einen hohen Stellenwert.

5. Wasserschutz und Heizwärme 

Ressourcenschonung erstreckt sich in einem durch und durch grünen Unternehmen selbstverständlich auch auf den Wasserverbrauch und das Heizverhalten. Ob es für die Herstellung der Produkte oder für den laufenden Geschäftsbetrieb notwendig ist, das Unternehmen legt Wert auf Wärme- und Wassereinsparung sowie auf  den Schutz von Wasser- und Wärmequellen.

6. Nachhaltige Lieferkette: 

Ein ganz wesentlicher Bereich erstreckt sich auf die Lieferkette. Dies ist neben vielen anderen Dingen für Kunden oft sehr wichtig. Ein grünes Unternehmen arbeitet mit Lieferanten und Partnern zusammen, die ähnliche grüne und ethische Standards teilen wie der eigene Betrieb. 

7. Transparente Kommunikation: 

“Tue Gutes und rede darüber!” Transparenz bei den eigenen Umweltbemühungen bedeutet, Informationen darüber bereitzustellen. Kommuniziere die Erfolge und berichte auch über die Herausforderungen. Eine transparente Kommunikation ist der direkte Gegenspieler des Verdachts auf Greenwashing. Du stellst deine Umweltbemühungen realistisch und wahrheitsgemäß mit allen Höhen und Tiefen dar. Das schafft Vertrauen.

8. Soziale Verantwortung: 

Ein grünes Unternehmen bemüht sich nicht nur um umweltfreundliche, ressourcenschonende Maßnahmen, sondern hat sich der Fairness gegenüber allen Beteiligten verschrieben. Es achtet auf ethische Arbeitsstandards, faire Löhne und soziale Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft.

Nachhaltigkeit als Unternehmensziel

Wenn ein Unternehmen wirklich grün denkt, dann bleibt es nicht beim Status quo stehen, sondern sucht immer wieder nach neuen Wegen, die Umwelt und unsere Gesellschaft positiv zu beeinflussen. Es ist wie bei uns Menschen: Stillstand bedeutet Rückschritt. Grüne Unternehmen sind nicht nur in ihrem Kerngeschäft aktiv, sondern beteiligen sich außerdem an größeren Bewegungen, die die Welt ein Stück besser machen wollen. Es geht dabei nicht nur darum, schlechte Gewohnheiten loszuwerden, sondern aktiv Gutes zu tun.

Vielleicht gehörst du mit deinem Business auch bald dazu und gehst mit einem guten Beispiel voran - wie die Teekampagne und andere Firmen mit einem durchdachten, wirklich nachhaltigen und grünen Geschäftskonzept.

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