Die Unterschiede sind das Salz in der Suppe, aber…

Es kommt gar nicht so selten vor, dass zwei Freunde gemeinsam ein Geschäft gründen oder Ehepartner sich entscheiden, auch im Business zusammenzuarbeiten. Ganz egal, wie es zu der Geschäftspartnerschaft kommt, eines steht fest: Menschen sind von Natur aus individuell und deswegen gibt es konkrete Unterschiede. Sind die Unterschiede zu groß, kann – bildlich gesprochen – zu viel Salz in der Suppe sein. Es ist nicht einfach, die einmal versalzen Business-Suppe wieder zu einer delikaten Speise zu machen. Manchmal ist es sogar unmöglich.

Wer sich mit einem Geschäftspartner zusammentut, sollte stets im Hinterkopf behalten, dass zwischen Menschen immer Unterschiede existieren, die sich zu Differenzen auswachsen können. Es ist hilfreich bereits im Vorfeld die Differenzen zu identifizieren und mögliches Konfliktpotenzial zu entschärfen. Die Abstimmung zwischen den Geschäftspartnern hilft dabei, eine stabile Basis für eine langfristige Zusammenarbeit zu legen. Welche Faktoren erfahrungsgemäß häufig zum Scheitern von Businesspartnerschaften führen und wie du diesen Faktoren den Stachel nehmen kannst, liest du jetzt.

1.    Unterschiedliche Lebensphasen

Ein entscheidender Faktor, der auf die Qualität einer Geschäftspartnerschaft einwirkt, ist die Lebensphase, in der sich jeder Partner befindet. Du solltest wissen, in welcher Lebensphasen ein Partner steckt und dich mit den daraus ergebenden Aspekten auseinandersetzen. Ein Beispiel soll zeigen, warum unterschiedliche Lebensphasen zu Schwierigkeiten führen können:

Stell dir vor du hast gerade dein Studium abgeschlossen und bist voller Tatendrang für das neue Business. Du bist ungebunden, hast viel Zeit und Energiereserven für dieses Vorhaben. Dein Geschäftspartner steht bereits mit beiden Beinen fest im Berufsleben und betreibt die Geschäftspartnerschaft nebenbei. Außerdem hat er geheiratet und erwartet das erste Kind. Bei ihm wird sich in naher Zukunft die verfügbare Zeit stark reduzieren. Außerdem ist der Fokus auf das Geschäft weniger ausgeprägt als bei dir.

Was tun bei unterschiedlichen Lebensphasen?

Bei stark unterschiedlichen Lebensphasen ist es nicht einfach, eine funktionierende Geschäftspartnerschaft auf die Beine zu stellen. Hier hilft es nur, die aktuelle und die vorhersehbare Situation klar anzusprechen und Vereinbarungen über das Engagement zu treffen. Eine mögliche Lösung wäre beispielsweise, dass du als alleiniger Geschäftsführer eingesetzt wirst, um unabhängig von der begrenzten Zeit deines Geschäftspartners handlungsfähig zu sein. Außerdem sollte sich der zeitliche Mehraufwand, den du erbringst, in den Anteilen oder der Vergütung niederschlagen. Es ist sicherlich ganz am Anfang einer Geschäftspartnerschaft nicht möglich, den voraussichtlichen Arbeitsaufwand konkret einzuschätzen. Außerdem ist es schwierig, durchschnittliche Umsätze vorherzusagen.  Aus diesem Grund solltet ihr regelmäßige Treffen vereinbaren, bei denen die grundlegenden Differenzen und deren Lösungsmöglichkeiten Thema sind. Fehlen solche Gespräche, passiert es rasch, dass Unstimmigkeiten entstehen, die sich zu handfesten Krisen auswachsen können. Eine offene Kommunikation ist alles!

2.    Unterschiedlich starke Motivation

Wenn einer vor Tatkraft und Motivation strotzt und der andere weniger dafür brennt, das Geschäft ans Laufen zu bekommen, sind persönliche Differenzen vorprogrammiert. Der Wille und die Bereitschaft fürs Geschäft sollte bei beiden eine vergleichbare Intensität aufweisen. Wenn die Unterschiede in diesem Punkt zu stark sind, kann es geschehen, dass der eine Geschäftspartner den anderen Geschäftspartner ausbooten will. Wenn du das Gefühl hast, dass du viel mehr machst als dein Geschäftspartner und beide trotzdem zu gleichen Teilen vom Geschäftserfolg profitieren, entsteht daraus Unzufriedenheit und manchmal auch Wut. Diese starken negativen Gefühle führen nicht selten dazu, dass eine Geschäftspartnerschaft scheitert.

Sicherlich variieren die Motivation und das Engagement von Zeit zu Zeit und es ist selten so, dass beide jederzeit auf einem Level sind. Doch auf lange Sicht sollte sich die Motivation die Waage halten, ansonsten lässt die Frustration das gemeinsame Geschäftsvorhaben sterben.

Was tun bei ungleicher Motivation?

Gegen unterschiedlich starke Motivation kannst du im Grunde nichts machen. Sorge im Vorfeld dafür, dass du einen Eindruck von der Motivation deines Geschäftspartners gewinnst. Du solltest diesen Aspekt aufmerksam betrachten, bevor du einen Vertrag unterschreibst. Motivation ist etwas, das in einem Menschen liegt und es ist aussichtslos, die innere Haltung eines anderen langfristig zu beeinflussen.

Falls du derjenige bist, der weniger stark motiviert ist, solltest du ehrlich mit diesem Aspekt umgehen und Klartext sprechen. Es ist niemandem gedient geschäftliche Verpflichtungen einzugehen, die auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt sind.

3.    Unterschiedliche Zielvorstellungen

Ein weiterer Stolperstein, an dem viele Geschäftspartnerschaften scheitern ist die Unterschiedlichkeit der Zielvorstellungen. Was willst du mit dem Unternehmen erreichen? Gibt es zum Beispiel einen bestimmten langfristigen Gewinn, der dir vorschwebt? Planst du den Aufbau eines weltumspannenden Unternehmens? Willst du das Geschäft an einem gewissen Punkt verkaufen oder dich aus der Geschäftsführung zurückziehen? Du solltest dir über deine Ziele klar werden und deinen Geschäftspartner nach seinen Zielen fragen.

Sind die Unterschiede zu groß oder lassen sich nicht miteinander vereinbaren, steht die Zukunft des Geschäfts in den Sternen. Das wiederum bedeutet, dass Streit vorprogrammiert ist der die Grundsätze der Zusammenarbeit infrage stellt. Sorge dafür, dass es nicht so weit kommt.

Was tun bei unterschiedlichen Zielvorstellungen?

Tatsache ist, dass sich Geschäftsziele verändern können. Deshalb ist es wichtig in Kontakt zu bleiben, um diesen Aspekt regelmäßig, zum Beispiel in einem Jahresgespräch, auf den Prüfstand zu stellen. So habt ihr die Gelegenheit die Geschäftsführung anzupassen und strategische Entscheidungen entsprechend auszurichten.

4.    Verschiedene Schwerpunkte und Strategien

Jeder Mensch trifft Entscheidungen auf Basis der eigenen Werte, wobei sich nicht jeder dessen bewusst ist. Dennoch gilt, dass jeder Mensch im Einklang mit den eigenen Werten entweder in vollem Bewusstsein oder unbewusst handelt und entscheidet. In der Geschäftspraxis könnte das so aussehen:

Du gibst nicht gerne Geld aus und legst großen Wert darauf, die Kostenschraube anzuziehen, um den Gewinn zu verbessern. Dein Geschäftspartner aber sieht in den Ausgaben für Marketing ein sinnvolles Investment, um den Gewinn zu verbessern. Das Endziel ist zwar das gleiche, nämlich den Gewinn zu verbessern. Doch die Strategien basierend auf den individuellen Werten sind unterschiedlich.

Was tun, wenn Schwerpunkte und Strategien unterschiedlich sind?

Was kannst du tun, um solche grundlegenden Konflikte beiseitezuräumen? Das Zauberwort heißt Konsens. Es geht nicht darum, einen Kompromiss einzugehen, bei dem einer von beiden nachgibt. Es geht vielmehr darum, eine einvernehmliche Lösung zu erarbeiten, die der Kostensensibilität auf der einen Seite und dem Wunsch nach Umsatzsteigerung auf der anderen Seite Rechnung trägt. Manchmal liegt die Lösung darin, einen ganz neuen Ansatz zu finden. Ein Beispiel soll zeigen, wie das in der Praxis aussehen kann:

Ihr wollt euch auf einer Messe in Paris präsentieren. Dein Geschäftspartner will dazu eigens einen Messestand bauen lassen und einen stark frequentierten Standort in der Haupthalle buchen. Du tendierst zu einem kostengünstigen, vorgefertigten Musterstand in einer weiter abgelegenen Halle. Der Auftritt auf der Messe ist wichtig, um neue Kontakte zu knüpfen und die Umsätze anzukurbeln.

Euer Konsens könnte so aussehen:

Ihr bucht eine Fläche auf einem Gemeinschaftsstand, der mit öffentlichen Mitteln bezuschusst wird. Ihr investiert parallel in die Entwicklung eines Prototyps, den ihr auf der Messe erstmalig präsentiert. Dazu ist ein Auftritt im Messe-TV sowie ein Interview mit einem Fachmagazin geplant.

Dieser Konsens ist eine Lösung, der die Ansprüche beider Parteien berücksichtig und besteht in diesem Fall aus einem ganz neuen Ansatz.

  • Die Kosten für den Stand bleiben in einem überschaubaren Rahmen.
  • Das Investment in den Prototypen ist langfristig angelegt und ist auch über die Messe hinaus erforderlich, um das Geschäft weiter nach vorne zu bringen.
  • Der TV-Auftritt und das Interview kommen dem Wunsch deines Geschäftspartners nach wirkungsvollem Marketing entgegen. Außerdem fallen dafür keine Kosten an, was für dich ein wichtiger Aspekt ist.

5.    Risikobereitschaft

Ein Unternehmen ist in gewisser Weise wie ein Aktienportfolio. Ein Business zu führen kann von Zeit zu Zeit riskant sein. In der Zusammenarbeit mit einem Geschäftspartner ist die Risikobereitschaft deshalb ein wichtiger Aspekt. Deine Risikobereitschaft und die Risikobereitschaft deines Geschäftspartners sollten miteinander harmonieren. Wenn du kein Problem mit Risiken hast, dein Geschäftspartner aber Risiken scheut, lassen sich schwer Entscheidungen treffen, die von beiden getragen werden.

Manchmal können Geschäftsentscheidungen so weit reichende Konsequenzen haben, dass sie über Wohl oder Wehe des Fortbestandes entscheiden. Seid ihr in punkto Risiko unterschiedlicher Meinung, wie derjenige mit der geringeren Toleranz die Verantwortung für eine schlechte Entscheidung stets auf den anderen schieben. Das führt langfristig in eine Sackgasse.

Was tun bei unterschiedlicher Risikotoleranz?

Im Grunde bleibt euch in einer bestehenden Partnerschaft nur, euch fortlaufend über den Grad des Risikos zu einigen, den ihr akzeptieren könnt.  Dieser Aspekt ist ein Punkt, über den ihr permanent in Kommunikation stehen solltet. Eine hilfreiche Option in diesem Zusammenhang ist es, miteinander feste Budgets zu vereinbaren, in deren Rahmen Entscheidungen unabhängig voneinander getroffen werden können. Wird der Rahmen überschritten, stimmt ihr euch im Einzelfall ab.

6.    Abhängigkeit

Im Idealfall brauchen Geschäftspartner einander. Wenn in diesem Zusammenhang von Abhängigkeit die Rede ist, ist damit ausdrücklich nicht Bedürftigkeit gemeint. Abhängigkeit innerhalb einer Geschäftspartnerschaft bedeutet, dass ihr miteinander bessere Geschäfte machen könnt als jeder für sich allein. Wenn einer der Partner den anderen nicht braucht, entsteht ein Ungleichgewicht, das letztendlich dazu führen kann, dass der Fokus auf die Geschäftsziele verlorengeht. Die Konsequenz daraus ist langfristig, dass die Geschäftspartnerschaft scheitert.

7.    Zuverlässigkeit und Sicherheit

Die Zusammenarbeit mit einem Geschäftspartner sollte von Zuverlässigkeit und Sicherheit geprägt sein. Damit ist gemeint, dass jeder in vielerlei Hinsicht Stabilität aufgebaut hat, um langfristig im Geschäft engagiert zu bleiben. Dabei geht es beispielsweise um finanzielle oder mentale Stabilität.

Wenn einer der Geschäftspartner bei Gründung nicht offen über seine finanziellen Möglichkeiten gesprochen hat und sich die Geschäftspartnerschaft eigentlich gar nicht leisten kann, wird er zukünftig kein Geld im erforderlichen Maße in das Geschäft einbringen. Langfristig bedeutet das, dass der andere Geschäftspartner in die finanziell ungeordnete Situation des anderen hineingezogen wird. Das Risiko ist, dass durch die Unzuverlässigkeit des einen Geschäftspartners dazu führt, dass das gesamte Geschäft neu organisiert, verkauft oder aufgegeben werden muss.

Gleiches gilt für mentale Stabilität. Angenommen, dein Geschäftspartner leidet unter Depressionen und klärt dich  darüber nicht auf. Während der depressiven Phasen kann der Geschäftspartner das nötige Arbeitspensum nicht aufbringen. Außerdem ist die Qualität seiner Arbeit alles andere als zuverlässig. In der Konsequenz bleibt viel mehr Arbeit an dir hängen oder es bleibt Arbeit liegen, die dringend erledigt werden muss. Langfristig gesehen ist das kein tragbarer Zustand.

Was tun bei fehlender Sicherheit und fehlender Zuverlässigkeit?

Du kannst und solltest mit offenen Karten spielen und dasselbe von deinem Geschäftspartner verlangen. Möglicherweise bedeutet das, dass einige unangenehme Gespräche geführt werden müssen. Ohne diese Gespräche würdest du aber ein Investment in eine Firma machen, die zum Scheitern verurteilt ist. Wenn das Geschäft bereits läuft und dir auffällt, dass dein Partner unzuverlässig ist und dir nicht die Sicherheit bietet, die notwendig ist, solltest du rasch das Gespräch suchen. Falls es keine Möglichkeit gibt, die nötige Sicherheit und Zuverlässigkeit herzustellen, stehen schwere Entscheidungen an, die zur Trennung der Geschäftspartnerschaft mit oft desaströsen finanziellen Folgen führen kann.

8.    Vertrauen

Vertrauen ist die Basis jeder Beziehung. Das gilt auch für eine Geschäftspartnerschaft. Kannst du dir vorstellen, dass du einen Monat Urlaub machst und dein Geschäftspartner die Firma weiterführt? Sollte die Antwort nein lauten, habt ihr ein Problem. Damit eure Geschäftsbeziehung funktioniert, müsst ihr euch aufeinander verlassen können und einander vertrauen. Schließlich dreht es sich bei einer Geschäftspartnerschaft nicht nur um euch persönlich. Sind Mitarbeiter im Spiel, beeinflusst die Geschäftspartnerschaft auch deren Leben und das ihrer Familien.

Falls es in eurer Verbindung an Vertrauen mangeln solle, habt ihr gute Chancen, das Problem zu beheben. Identifiziert die Gründe für den Mangel an Vertrauen und thematisiert sie. Räumt Unstimmigkeiten und Missverständnisse aus dem Weg. Lernt beide, offen und fair miteinander umzugehen. Investiert Zeit und Energie in die Geschäftsbeziehung, um die Vertrauensbasis zu stärken. Im Grunde ist es wie bei einer engen Freundschaft: Wenn ihr euch nicht vertraut, bringt die Verbindung nichts und jeder sollte seiner Wege gehen.

Fazit: Falls ihr gerade darüber nachdenke, eine Geschäftspartnerschaft einzugehen, check sorgfältig die vorgestellten Faktoren. Wenn die Basis der Partnerschaft stimmt, habt ihr sehr gute Chancen auf eine lange und gut funktionierende Geschäftsbeziehung. Wir wünschen euch dabei viel Erfolg!

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