Thomas, ist Dein aktuelles Projekt Deine erste Gründung?

Ja, aber beschäftigt hat mich die Selbstständigkeit schon immer. Aber die Idee, aus einer sicheren unbefristeten Beschäftigung heraus zu kündigen, schien mir zu verrückt.

Seit wann trägst Du die Idee mit Dir herum?

Ich wollte einen Airstream Imbisswagen betreiben und Currywurst mit Pommes Majo verkaufen. In dieser Zeit habe ich auch meine einzigartige Soße entwickelt, das war 2011, dann ist mir das Buch von Günter Faltin in die Hände gefallen und da habe ich gesehen, dass die Idee mit einer Currywurstsauce an den Markt zu treten, genau in das Konzept Gründen mit Komponenten passt.

Es ist einfacher und billiger, die Soße auf dem B2B-Weg direkt zu vermarkten als über den Airstream, da stünde ich täglich zwölf Stunden im Fett und die Variante, für Logistik und Abwicklung mit Komponenten zu arbeiten schien mir weitaus attraktiver. Sollte die B2B- Schiene erfolgreich sein, werde ich weitere Zielgruppen und zusätzliche Vertriebsstrukturen im nächsten Schritt weiter denken.

Was machst Du sonst / hast Du bisher gemacht?

Ich habe eine Ausbildung als Industriekaufmann gemacht und dann eine Weile in dem Bereich gearbeitet. Nach massiven Umstrukturierungen und einer betriebsbedingten Kündigung im September letzten Jahres, wollte ich nicht in ein dunkles Loch fallen und habe mir selbst einen Arschtritt verpasst, um das Konzept Currywurstsauce weiterzuspinnen. Und hatte das Glück, dass ich das auch frühzeitig an die betreuende Transfergesellschaft (*siehe Infokasten "was ist eine Transfergesellschaft") kommuniziert habe, die mich hierin unterstützt hat.

Das wichtige für angehende Entrepreneure in vergleichbarer Situation, wenn man die Selbstständigkeit sucht, muss man aktiv auf die Leute zugehen, sonst liegt der Fokus natürlich auf Fortbildungen, die wieder in sozialversicherungspflichtige Angestelltenverhältnisse münden.

Wie bist Du auf das Komponentenportal aufmerksam geworden?

Nachdem ich das Buch „Kopf schlägt Kapital“ gelesen habe, bin ich irgendwann über das Labor für Entrepreneurship auf das Komponentenportal aufmerksam geworden und habe mich intensiv damit beschäftigt. Die Gründer-News waren meine morgendliche Lektüre und ich bin stolz auch hier meinen Beitrag und meine Erfahrungen zu teilen. Für den Airstream hätte ich nicht nur im Fett stehen müssen, sondern auch viel mehr Kapital gebraucht, und da schien es mir schlauer, die Idee mit dem Kopf zu verkaufen (Kopf schlägt Kapital).

Wie hast Du Dein Ideenkonzept denn bis dato allein verfeinert?

Am Anfang standen für mich ganz klar kaufmännische Aspekte im Vordergrund: Wo kommen meine Zutaten her, bekomme ich die direkt beim Produzenten billiger eingekauft, wo liegt meine Gewinnschwelle, ist die realistisch kalkuliert, ab wann kann ich davon leben, habe Preise eingeholt und all sowas. Nachdem ich das alles für mich geklärt hatte, habe ich den Erstcheck Entrepreneurial Design über das Komponentenportal gemacht, weil ich eine Meinung von einem Profi wollte.

Wie erlebst Du die bisherige Begleitung durch das Komponentenportal?

Sehr gut. Als Einzelkämpfer und Solopreneur ist es sehr inspirierend, und auch auf einfache Lösungen hingewiesen, wenn man im eigenen Kopf manchmal vielleicht schon viel zu kompliziert denkt. Zum Beispiel habe ich mir die ganze Zeit Gedanken gemacht, wo ich die Soße für die Prototypen denn produzieren lassen könnte, weil es keinen Abfüller für kleine Mengen gibt. Hallo liebe Abfüller, hier sind so viele Jungunternehmer, die einen Abfüller für kleine Mengen brauchen und die Ware nicht von Nord nach Süd schicken wollen (CO2 und Ihr habt die Lizenz und Hygiene). Und dann kamst Du (die Mentorin, Anm. d. Red.) mit der Mietküche oder Schulkantine. Einfach genial.

Und auch, dass jemand einem unbefangen Feedback gibt, Leute aus der Umgebung sagen einem nicht immer, was sie denken oder können es auch gar nicht richtig einschätzen.

Auch das Feedback zum Design der ersten Website und andere Varianten.

In Punkto Funktionalität, Responsive Design und der besten Balance zwischen möglichst schick und optimaler Navigation.

Und hast Du Dein Produkt (Beta) schon getestet?

Ja, gestern im Garten, auf Papas Geburtstag, das kam schon einmal super an. Und auf Festen von Bekannten von mir. Im nächsten Schritt steht die Produktion von Prototypen an. Nachdem die erste Verpackungsidee sich nicht wie erwartet umsetzen ließ (die Soße hatte den Geschmack der Verpackung angenommen und so das Ergebnis komplett verfälscht

Habe ich Verpackung und Etikettierung noch einmal völlig neu gedacht. Mit 500ml Glasflaschen geht es jetzt lecker ab auf die Straße und zu Kunden in der Region.

Und, was wirst Du als nächstes tun?

Dadurch, dass ich von der Transfergesellschaft gefördert werde (im Durchschnitt liegt die Summe in diesem Fall wohl bei ca. 1.500 Euro pro Person), kann ich die Idee, mein Business in Komponenten zu gründen, auch super vorantreiben und habe nun nach dem Erst-Check Entrepreurial Design mit Akquise Erstcheck , Aufbau Presseverteiler und Mentor Einkauf auch schon einmal die Logistik Komponente gebucht, denn das scheint mir für den Einstieg und das Handling eine sehr gute, günstige Lösung.

Mein Traum ist, in naher Zukunft wirklich nur noch zu delegieren und meinem Ideenkind beim Wachsen zuzugucken, dabei sitze ich natürlich in meinem Garten, esse eine Currywurst und habe noch mehr Energie frei für neue Projekte, die das Leben einfacher und leckerer machen.

15.8.2016

Das Interview führte Kirsten Kohlhaw, Inhaberin von commotivation und Mentorin für Entrepreneurial Design im Komponentenportal)

Infokasten Transfergesellschaft

  • Was ist eine Transfergesellschaft? Die Transfergesellschaft ist ein arbeitsmarktpolitisches Instrument, das (indirekt) in § 111 SGB III (bis 31. März 2012: § 216b SGB III a.F.) definiert ist. Transfergesellschaften verfolgen den Zweck, konkret von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeitern eines Betriebes im Rahmen einer maximal einjährig befristeten Beschäftigung neue Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln. Sie haben ausschließlich das Ziel, die betreuten Beschäftigten so schnell wie möglich wieder in neue Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln. Der Wechsel in eine Transfergesellschaft ist für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten freiwillig. Transfergesellschaften werden über ein gesetzlich definiertes Verfahren in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit installiert. (...)

    Damit der - vom Personalabbau betroffene - Arbeitnehmer zum Eintritt in eine Transfergesellschaft berechtigt ist muss er von Arbeitslosigkeit bedroht sein und zwingend vor Übergang in die Transfergesellschaft arbeitsuchend gemeldet haben.

    Zusätzlich muss er an einer arbeitsmarktlich zweckmäßigen Maßnahme zur Feststellung der Eingliederungsaussichten (dem sogenannten Profiling) teilgenommen haben. Letzteres hat der Transferanbieter vor dem Wechsel in die Transfergesellschaft mit dem Mitarbeiter durchzuführen und das Ergebnis der zuständigen Agentur für Arbeit zu übermitteln. (Quelle: Wikipedia, abgerufen am 24.8.2016)
  • Bekommen diese Unterstützung alle? Kann man das beantragen
    Nö, nur Arbeitnehmer in Festanstellung, die aus betriebsbedingten Gründen von Arbeitslosigkeit bedroht wären und sich – begleitet – umorientieren. Wenn das auf mich zutrifft und ich schon lange eine Idee mit mir herumtrage, die ich auf Markttauglichkeit testen und als selbstständiger Unternehmer weiter entwickeln möchte, sollte ich in jedem Fall und frühzeitig aktiv auf den mir zugeteilten Kontakt zugehen, ihm mein Vorhaben schildern und Möglichkeiten für Unterstützung eruieren. Eigeninitiative zahlt sich in jedem Fall aus – und ist, wenn man unternehmerische tätig sein will, ja auch eine Kernkompetenz.
     
  • Kann ich mit den zugewiesenen Mitteln, dem Geld für Coaching-Support aus der Transfergesellschaft, jede Komponente im Portal buchen? 
    Ja, jede für das spezifische Entrepreneurial Design, für die individuelle Gründung relevante, hier gibt es unseres Wissens keine formalen Einschränkungen.

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