Was ist Work-Life-Blending und wie grenzt es sich von Work-Life-Balance ab?

Den Begriff Work-Life-Balance hast du sicher schon mal gehört und kennst die Aspekte, die ihn auszeichnen. Die folgende Auflistung zeigt, wie er sich vom Work-Life-Blending abgrenzt:

Räumliche und zeitliche Trennung

  • Der Ansatz der Work-Life-Balance sieht vor, Beruf und Freizeit klar voneinander zu trennen.
  • Beim Work-Life-Blending verschwimmen die Grenzen und beide Bereiche sind eng miteinander verwoben.

Wirkung auf Gesundheit und Psyche

  • Beim konventionellen Ansatz dienen die klar definierten Pausen vom Arbeitsleben zur Erholung und zur Regeneration von Körper und Geist.
  • Beim Work-Life-Blending gibt es die Trennung nicht, denn du bist ständig 24/7 erreichbar. 

Effizienz und Produktivität

Das Konzept der Work-Life-Balance setzt auf regelmäßige, fokussierte Arbeitszeiten, die eine höhere Produktivität bedeuten können. Die starren Grenzen können allerdings auch einengend wirken, insbesondere, wenn es um kreative Prozesse geht. Das enge Zeitkorsett kostet außerdem Flexibilität und kann es schwierig machen, Berufliches und Privates miteinander in Einklang zu bringen.

Beim Work-Life-Blending ist die zeitliche und örtliche Flexibilität groß. Du kannst jederzeit deinem Privatleben Vorrang einräumen. Dies birgt die Gefahr, sich leicht ablenken zu lassen. Das wiederum erschwert einen effizienten Arbeitsrhythmus. Die Fragmentierung des Arbeitsalltags führt zu längeren Bearbeitungszeiten und kann sich negativ auf die Qualität auswirken. 

Work-Life-Blending im Fokus

Es ist schon eine traumschöne Vorstellung: Arbeit von überall und zu jeder Zeit - am besten mit einem Cocktail in der Hand und den Füßen im Sand den Laptop öffnen und dem 9-to-5-Hamsterrad den Rücken zu kehren! Auf die Spitze getrieben und in den sozialen Medien nach wie vor gefeiert, werden wir mit Bildern von digitalen Nomaden bombardiert, die alle auf Hochglanz poliert sind und den heiligen Gral versprechen: Arbeiten, quasi nebenbei und hauptsächlich Spaß haben. Doch jederzeit arbeiten zu können, bedeutet für viele, dass sie auch wirklich fast ununterbrochen arbeiten und ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellen. Und ein Spoiler vorweg: Wer die ganze Zeit arbeitet, ist nicht automatisch erfolgreich.

Es geht inzwischen so weit, dass von Workation die Rede ist - noch solch eine merkwürdige Wort-Kreation, die den Spirit des Work-Life-Blendings ziemlich gut auf den Punkt bringt. Bei Tageslicht betrachtet fliegst oder fährst du an einen schönen Ort und arbeitest dort mit Workfriends zusammen, und das meistens länger und intensiver als in heimischen Gefilden - Stress lass nach. Wenn du die Teilnehmer später fragst, wie es denn in Val d'Isère, auf den Fidschis oder Sylt war, bekommst du eine ziemlich genaue Beschreibung der Unterkunft, der gereichten kulinarischen Köstlichkeiten und der direkten Umgebung. Wo genau ist gleich noch der Teil, der einen erholsamen Urlaub ausmacht? 

Ja, natürlich gibt es Phasen und Projekte, die einen Tapetenwechsel vertragen können. Doch wenn es die Regel ist, dass selbst der Urlaub als Arbeitszeit herhalten muss, dann darf die Frage gestattet sein, ob das wirklich der Weisheit letzter Schluss ist. 

Zugegeben, das ist eine ziemlich provokante Sicht auf die Dinge, denn die Ansätze des Work-Life-Blendings sind für sich genommen gar nicht schlecht.

  • Du hast größtmögliche Flexibilität und kannst den Job an deinen persönlichen Alltag anpassen. Du kannst zum Beispiel frühmorgens arbeiten und danach deine Freizeit genießen.
  • Cloud-Technologien ermöglichen dir die Arbeit von jedem Ort aus. Du kannst im Café um die Ecke arbeiten oder auf einer Parkbank im Central Park. Du bist unabhängig von festen Büros.
  • Du kannst in Ruhe deinen persönlichen Arbeitsrhythmus entwickeln, der dir in jeder Hinsicht entspricht.

Das Problem liegt darin, dass nicht jeder gleich gut mit so viel Flexibilität klarkommt und in das ein oder in das andere Extrem fällt: Bummelei, Prokrastination und Qualitätsverlust oder Überarbeitung, Übereifrigkeit und Perfektion - willkommen im Club der Burnout-Anwärter. 

Achtsamkeit als starker Partner des Work-Life-Blendings

Sofern du die Idee der umfassenden Flexibilität gut findest und deinen eigenen Arbeitsrhythmus entwickeln möchtest, kann dir die Achtsamkeit ein wichtiger Verbündeter sein. Denn sie hilft dir, auf Körper, Geist und Seele achtzugeben. 

Natürlich wird der Arbeitsalltag immer schneller, jeder ist immer verfügbar, egal ob am Wochenende oder an Feiertagen. Es gilt sogar als Zeichen von Erfolg, unabkömmlich zu sein, doch das ist pragmatisch gesehen eher ein Zeichen schlechten Zeitmanagements gepaart mit der Unfähigkeit, Aufgaben sinnvoll zu delegieren. 

Nimm dir die Zeit, die du für deine Erholung und Regeneration benötigst und lass nicht zu, dass du über lange Phasen hinweg buchstäblich von zwei Seiten brennst. Finde deinen persönlichen Rhythmus, ohne dich zu überfordern und miss deinen persönlichen Bedürfnissen denselben Wert wie den geschäftlichen. 

Wenn es dir gelingt, das alles zu deinem individuellen Arbeitsrhythmus zu verbinden, der berufliche und private Aspekte gleichwertig behandelt, könnte das Konzept des Work-Life-Blendings dauerhaft funktionieren. 

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