Das steht in der Start-up-Studie

Die Universität Passau hat in Zusammenarbeit mit dem Leibniz Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und der renommierten IÉSEG School of Management Paris daran geforscht, inwieweit die Eigentumsverteilung in einem Gründerteam die Innovationskraft beeinflusst. Dazu wurden 2000 Start-ups hinsichtlich der patentierten Erfindungen unter der Fragestellung überprüft, ob und wie die Anteilseigner an angemeldeten Patenten beteiligt waren. Die überraschende Antwort lautet:

Gründerteams sind innovativer, wenn eine ungleiche Verteilung der Eigentumsverhältnisse vorherrscht!

Professor Dr. Carolin Häussler (Uni Passau) konstatiert, dass junge Gründerinnen und Gründer per se eine außergewöhnlich gute Fähigkeit haben, Innovationen zu kreieren. Allerdings werden Entscheidungen bei Teamgründungen gemeinsam getroffen und nicht alleine. Sind die Eigentumsverhältnisse ausgewogen, kann sich die innovativere Person praktisch gesagt nicht durchsetzen, wenn die Zustimmung in den eigenen Reihen fehlt. Dies gilt insbesondere dann, wenn es um schwierige Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen geht.

Die Studie mit der Bezeichnung „The Influence of Entrepreneurial Teams´ Ownership Distribution and Recombinatory Novelty” zeigt, dass besonders innovative Ideen realisiert werden, wenn diejenigen Gründer im Entwicklungsteam mitarbeiten, die gleichzeitig einen überwiegenden Anteil am Unternehmen halten. Die Untersuchungen lassen darauf schließen, dass die Kombination aus der ungleichen Verteilung der Anteile und der praktischen Aktivität im Entwicklungsteam zur höchsten Innovationskraft führen. Oder anders ausgedrückt: Halten forschungsaktive Gründerinnen oder Gründer die entscheidende Mehrheit am Unternehmen, entfalten sie eine besonders große Innovationskraft.

Ein wesentlicher Grund dafür liegt darin, dass sie rechtlich gesehen dazu befugt sind, verbindliche Entscheidungen hinsichtlich ihrer experimentellen Strategien zu treffen und auch gleichzeitig beeinflussen, wie sie ggf. mit darauf folgenden Rückschlägen umgehen. Die Wechselwirkung lässt sich auf eine kurze Formel herunterbrechen. Je höher der Anteil am Unternehmen, desto wirksamer die Entscheidungskraft in wirtschaftlich schwierigen Situationen. Das gilt insbesondere dann, wenn die damit verbundenen Erfolgsaussichten noch nicht zuverlässig beurteilt werden können.

In diesem Video (August 2020) der Universität Passau, welches im Rahmen der renommierten Fachkonferenz „Academy of Management“ produziert wurde, werden die Ergebnisse der Studie genauer erläutert.

Welche Schlüsse lassen sich aus der Studie ziehen?

Verfolgt ihr eine innovative, ganz oder teilweise patentierbare Geschäftsidee und seid in Begriff, euch als Gründerteam selbstständig zu machen? Dann solltet ihr euch die Frage stellen, wer die innovativste Person von euch ist. Dies zu eruieren ist nicht immer einfach. Offene Kommunikation ist bei der Teamgründung das A und O. Das gilt von Tag 1 an und sollte sich wie ein roter Faden durch eure Geschäftspartnerschaft ziehen. Unser Tipp: Stellt die Frage der Anteilsverteilung zur allgemeinen Diskussion, informiert euch über die Studie und wägt ab, inwieweit sie für euch von Bedeutung ist. 

Wenn ihr weiterdenkt und euch fragt, ob ihr dem kreativsten Kopf tatsächlich wirtschaftlich weitreichende Entscheidungen quasi allein überlassen wollt, dann braucht es eine sehr große Portion Vertrauen in die individuellen geschäftlichen Fähigkeiten. Zweifel und Überlegungen in dieser Richtung lassen sich nicht einfach vom Tisch wischen. Außerdem dürfte die Entscheidung über die Anteils-Verteilung eine schwierige Angelegenheit werden, wenn zwei, drei oder mehr Gründer zum Beispiel ihr eigenes Ego über die Sache stellen und entsprechende Anteile für sich beanspruchen – Innovationspotenzial hin oder her.

Allerdings kann eine Eigentumsverteilung unter Berücksichtigung der oben beschriebenen Ergebnisse der Studie in ökonomischer Hinsicht sehr sinnvoll sein. Die Chancen stehen gut, dass alle Beteiligten wirtschaftlich gesehen von einer ungleichen Verteilung profitieren, die im Zweifel die innovative Durchschlagskraft eines bahnbrechenden Patents begünstigt.

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