Prof. Faltin erklärt, wie wir durch Blickwechsel auf neue Ideen kommen können..

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Von Günter Faltin

Dieser Artikel erschien zuerst in der WIWO Gründer.

Neue Sichtachsen legen heißt, die Perspektiven wechseln. Das unternehmerische Konzept von anderen Blickwinkeln aus beleuchten. Dafür müssen wir Abstand gewinnen, um den Gegenstand richtig erkennen zu können. Wir dürfen nicht zu nahe dran sein, nicht zu erfahren, nicht zu sehr Experte sein. Nichts gegen Nähe und unmittelbare Erfahrung – es ist aber hilfreich, ein paar Schritte zurückzutreten und etwas mit Distanz zu betrachten. Wir können uns dies an einem Bild verständlich machen.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Sprung von zwei Metern tun. Wenn Sie einfach dort, wo Sie stehen, losspringen, werden Sie nicht erfolgreich sein. Zwei Meter sind einfach zu weit. Anders, wenn Sie einige Schritte zurücktreten und dann Anlauf nehmen. Plötzlich sind zwei Meter gar kein Problem mehr. Sie werden wahrscheinlich sogar drei oder vier Meter springen können.

Ein Hut, der sich bewegt

Es ist hilfreich, möglichst viele Sichtachsen zu entwickeln, aus möglichst vielen Perspektiven auf die Aufgabe, die Sie sich gesetzt haben, zu blicken. Je mehr Sichtachsen Sie finden, desto besser.

Pferderennen in Ascot. Ein berühmter Ort in England, das Rennen ein legendäres jährliches Ereignis. Wofür bekannt? Nicht so sehr für die Pferde. Die Augen der Besucher und der Fotografen richten sich auf die Kopfbedeckungen der englischen Oberschicht und ihrer Gäste. Es seien die originellsten Hutkreationen der Modewelt, heißt es. Witzig, farbig, formenreich. Von der Statik her anspruchsvoll. Unterschiedlichste Materialien. Keine Idee, so scheint es, die nicht schon ausprobiert worden wäre.

Können wir da mithalten? Wo die kreativsten Köpfe der Hutkünstler seit Jahren an neuen Kreationen tüfteln? Sehen wir uns das Ganze unter dem Aspekt Sichtachsen an. Sie werden feststellen: Die Hutobjekte spielen mit den Sichtachsen Farbe, Form und Materialien. Könnte man sich nicht auch andere Sichtachsen denken?

Nehmen wir eine einfache Sichtachse: Bewegung. Wie wäre es, wenn sich Teile des Hutes bewegen würden? Die Schwarzwälder Kuckucksuhr kommt uns in den Sinn oder lange Metallfedern, die sich im Wind oder beim Laufen bewegen. Man könnte mit kleinen Batterien arbeiten, um die Teile zu bewegen. Sich eine Choreografie ausdenken, die Teile des Hutes aufführen. Ein kleines Orchester auf dem Kopf.

Oder nehmen wir die Sichtachse Beleuchtung. Vom einsamen Glühwürmchen, das um den Hut schwirrt, bis zur exzentrischen Diskothek auf dem Kopf tut sich alles auf oder fast alles, was wir aus dem Bereich Beleuchtung kennen, von den alten Glitzerkugeln über Spotlights und Elementen von Rockkonzerten und ihren Beleuchtungseffekten. Für Fortgeschrittene bietet sich die Sichtachse Pyrotechnik an. Mutige Gemüter benutzen das Kleinfeuerwerk auf dem Hut, um Blicke auf sich zu ziehen. Noch Mutigere sehen den Hut als Abschussrampe.

Die Neuschöpfung treibt den Entrepreneur an

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Hut als Überraschungsei. Und eine Sichtachse, die wir noch gar nicht mitgedacht haben: die digitalen Möglichkeiten. Mein Hut als Nachrichtensender. Mein Hut als Anzeigetafel. Mein Hut als Kommunikationsmittel, als Stimmungsbarometer. Mein Hut errötet, wenn sich ein attraktiver Mensch nähert – oder gibt sich betont cool.

Sie sehen: Wenn wir neue Sichtachsen anlegen, entstehen die Ideen fast wie von selbst. Unser entrepreneurial Ascot per Sichtachsen ist ideenreicher, extravaganter und witziger als das Original

Diese Herangehensweise deckt sich im Übrigen mit Joseph Schumpeters Ausführungen. Es sei die Freude an der Gestaltung, die Freude am Tun und an der Neuschöpfung, die den Entrepreneur antreibe. Es komme auf den Blick an, Dinge neu zu sehen.

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