Dieser Artikel erschien zuerst in der WIWO Gründer.

Von Günter Faltin

Es ist in höchstem Maße befriedigend, ein Entrepreneurial Design zu haben, das das Potenzial der eigenen Person berücksichtigt: Das etwas Originales entwickelt, das Alleinstellungsmerkmale besser herausarbeitet als ein erster Einfall und das sich einem Anliegen widmet, das anerkennenswerter ist, als nur das Ego des Gründers zu befriedigen und überzeugender, als immer nur neue Konsumbedürfnisse der Kunden herauszukitzeln.

Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen Schnellschüsse versprochen werden, wie: „In 14 Tagen zum Unternehmensstart“. Es gibt kein einfaches Rezept, wie man das Ziel eines guten Gründungskonzepts erreicht. Wer das verspricht, ist in meinen Augen ein Scharlatan. Die Aufgabe ist zu komplex. Es geht darum, das Potential, das in Ihnen steckt, zur Entfaltung zu bringen. Es geht überdies um die Bedürfnisse der Menschen. Vielleicht wollen Sie sogar noch etwas mehr: etwas finden und entwickeln, das Sinn hat, ökologisch vertretbar und sozial verträglich ist und darüber hinaus natürlich Überschüsse erwirtschaftet. Es soll Ihnen den Aufbau einer ökonomischen Existenz erlauben und Sie möglichst zufrieden und auch ein Stück glücklich machen.

Sie arbeiten also an einer anspruchsvollen Aufgabe. Dazu brauchen Sie Begeisterung, Handwerkszeug, Experimente, Ausdauer, Leidenschaft, Ambiguitätstoleranz, Liebe zum Ganzen und zum Detail – und viel Zeit. Entrepreneurial Design, das diesen Namen verdient, entsteht nicht über Nacht. “Gut Ding will Weile haben” – das gilt auch bei der Konzeptentwicklung.

Dabei brauchen wir zuallererst Fantasie. Dazu müssen wir uns öffnen, bereit sein, Neues aufzunehmen. Auch das ist nicht leicht und keineswegs selbstverständlich. Leonardo da Vinci sagt: “Der Durchschnittsmensch schaut, ohne zu sehen, lauscht, ohne zu hören, bewegt sich ohne Körperbewusstsein, atmet ohne Bewusstsein von Duft und Parfum, und redet, ohne zu denken.”

Kein direkter Weg

Es handelt sich also nicht um einen geradlinigen Weg, sondern um Schleifen, um Vor- und Zurückspringen, um einen Prozess also, der dem Ringen eines Künstlers um seinen Stil ähnelt. Eine Erfahrung, die Sie machen werden, kann ich Ihnen vorweg sagen: Kaum glauben Sie, eine Lösung für eines der vielen Probleme gefunden zu haben, werden Sie feststellen, dass diese Lösung Probleme an anderer Stelle aufwirft.

Gerade weil es sich um einen konzept-kreativen Weg handelt, wird es für Sie eine Reise mit vielen Schleifen werden, weil wir uns dem besten Konzept iterativ nähern. Auf dieser Reise müssen Sie immer bereit sein, sich zu öffnen, Kontrolle aufzugeben und zu lernen, Neues zuzulassen. Konzept-kreatives Denken setzt voraus, dass Sie Ideen, Möglichkeiten und Wege kreieren. Außerdem müssen Sie bereit sein, aus der Vielfalt Ihrer Ideen, Konzepte und Möglichkeiten eine Auswahl zu treffen, vieles zu verwerfen und zu lernen, sich auf das Wesentliche zu fokussieren.

Die Mühe macht sich bezahlt. Ich sage meinen Studierenden: Sie können das Gewinnlos einer Lotterie mit systematischer Arbeit finden. Ich würde ein solches Versprechen nicht in den Raum stellen, hätte ich das Gelingen nicht schon des Öfteren erlebt. Während die meisten von uns ein Leben lang von ihrem Gehalt sparen, ohne auch nur entfernt in die Höhe eines Lotteriegewinns zu kommen, ist dies mit einem guten Entrepreneurial Design durchaus realistisch. Und es reicht ein einziges Mal. “You only have to get rich once”, sagt Warren Buffett. Sie können sich also durchaus ein wenig Zeit lassen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der WIWO Gründer.

Das Komponentenportal von Prof. Faltin: 

Im Komponentenportal der Projektwerkstatt finden Sie ein großes Angebot an Bausteinen, die Ihnen z.B. bei der Bewältigung betriebswirtschaftlicher oder organisatorischer Abläufe nützlich sind. Es sind die Bausteine, um ein Unternehmen aus Komponenten aufzubauen. So funktioniert es 

Prof. Faltin erklärt, warum Gründen kein Schnellschuss ist und warum Ideen Zeit brauchen.

faltin.png

Weitere Gründer News

Kindness Economy - So freundlich sieht die Wirtschaft der Zukunft aus

Kindness Economy - So freundlich sieht die Wirtschaft der Zukunft aus

Freundlichkeit als ökonomisches Prinzip erscheint auf den ersten Blick nicht so recht eingängig zu sein. Geht es in der Wirtschaft nicht ums Geldverdienen, um Macht, Geld und Ruhm? In den letzten Jahrzehnten standen diese Aspekte tatsächlich im Mittelpunkt, doch es zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Mary Portas, Kommunikationsberaterin aus Großbritannien, prophezeit den Tod der Old-School-Konsumentenkultur und bezeichnet die kommende Wirtschaft so: Kindness Economy.

Artikel lesen

 

Gratis campen und Geld verdienen: Clevere Business-Ideen für die Hotelbranche

Gratis campen und Geld verdienen: Clevere Business-Ideen für die Hotelbranche

Die Reisebranche hat es hart getroffen. Viele Hotels hat es in der Krise in die Knie gezwungen, andere haben die Zeit überbrücken und neue Ideen entwickeln oder perfektionieren können. Wir haben uns in der Hotelbranche umgesehen und stellen euch drei Best-Practice-Beispiele vor, die seit Jahren funktionieren. Sie können dir als Inspiration dienen, um noch mehr quer zu denken.

Artikel lesen